29. Oktober 2014

Das Mysterium von Notting Hill {booklove}

Das schönste Buch der Welt hat Konkurrenz bekommen! Ja, ich kaufe Bücher noch immer gern nach dem ersten Eindruck und ehrlich gesagt will ich damit auch nicht aufhören, selbst wenn der Freund das total verrückt findet. Aber erstens haben sie bisher immer gehalten, was der Einband versprach und zweitens machen mich hübsche Bücher im Regal viel glücklicher als farbliche Unfälle, die die Harmonie im Schlafzimmer stören. Die nehme ich natürlich auch hin, wenn das Buch wirklich, wirklich toll ist, aber lieber außen wie innen schön.

Charles Warren Adams Das Mysterium von Notting Hill booklove herebybike


Das vorab. Im Sommer, schon während meiner Masterarbeitszeit, fand ich dieses wunderbare Buch. Die Farben! Der Schnitt! Das Vorsatzpapier! Das Lochmuster! Hach, nur leider mit 20 Euro ein wenig teuer für ein Taschenbuch. Ich schlich also noch ein paar Wochen, immer, wenn ich ein Buch ausgelesen hatte, wieder um Das Mysterium von Notting Hill herum und gab irgendwann nach.

Erstmals anonym 1862 erschienen ist die Sprache allerdings nichts, das ich mir nach anstrengenden Tagen noch zumuten konnte. Man merkt dem Roman an, dass er einer anderen Zeit entstammt - irgendwo las ich sogar, er gelte als der erste Kriminalroman überhaupt. Ich präsentiere euch heute also eine etwas anspruchsvollere Lektüre und das schicke ich nun nicht vorweg, um zu zeigen, dass ich nicht nur unfassbar schicke, sondern auch noch wahnsinnig kluge Bücher lese, sondern damit ihr nicht enttäuscht seid, wenn ihr gerade Entspannungsliteratur braucht und euch bei langen Sätzen und komplizierten Windungen die Konzentration und der Spaß abhanden kommen.

Charles Warren Adams Das Mysterium von Notting Hill booklove herebybike

Seid nicht abgeschreckt, das Buch lässt sich dennoch prima abends im Bett lesen und wird euch sicherlich ein paar spannende Stunden bescheren, während draußen die Herbststürme toben.
Der Fall, den der Privatdetektiv Mr. Henderson lösen soll, ist der folgende: Madame R** hat sich mit einem Becher Säure tödlich vergiftet, den sie beim Schlafwandeln zu sich nahm. Aufgrund von fünf Lebensversicherungen, alle bei verschiedenen Gesellschaften abgeschlossen, steht ihr Mann, Baron R** unter Mordverdacht. Der Ermittlungen von Mr. Henderson sind abgeschlossen und es wird nun die Akte mit sämtlichen Zeugenaussagen, Briefen, Zeitungsausschnitten, Arztberichten, Notizen und allen relevanten Dokumenten, kommentiert durch den Detektiv, vorgelegt. Dabei kommen sämtliche Gesellschaftsschichten des viktorianischen Zeitalters zu Wort. Anfangs etwas verwirrend, wird es immer spannender, tief in die Verflechtungen um den Chemiker und Mesmeristen Baron R** (er heilt mithilfe von Magnetismus) einzutauchen. Eine weitere junge Dame zeigt die gleichen Krankheitssymptome wie Madame R**, ihr Mann stirbt ebenfalls, zwei Kinder werden von Zigeunern entführt.

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Die Darbietungsform ist unfassbar modern. Der Roman folgt nicht dem Detektiv bei seinen Ermittlungen, er setzt erst ein, wenn dessen Arbeit schon getan ist. Dadurch gewinnt er an Spannung, die nicht atemlos macht wie wilde Verfolgungsjagden, sondern mich am Buch kleben lies, weil das Material, das zunächst unverbunden nebeneinander steht, mit zunehmendem Lesen mehr und mehr Sinn ergibt und sich zu einem Ganzen fügt. Es gibt keine Vor- oder Rückgriffe, alles ist nüchtern und linear präsentiert, lediglich manchmal erinnert der Kommentar an zuvor gelesene Dokumente. Gerade diese fehlende  erzeugte Spannung brachte meine Fantasie allerdings dazu, mir selbst besonders viel auszumalen und weiterzudenken. Wie der Titel verheißt, wird der Fall auch immer mysteriöser. Am Ende steht nicht die Lösung des Falls, der Detektiv traut seinen Auftraggebern ebenso gut wie sich selbst die Fähigkeit zu, das Material zu bewerten und die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen. Der Roman endet mit einer Frage (die ihr nicht lesen müsst, wenn ihr den letzten Satz erst am Ende lesen möchtet):
"Lassen sich derart verübte Verbrechen überhaupt beweisen, und selbst wenn es möglich ist, den Nachweis zu führen, kann man den Verbrecher für diese Art von Verbrechen bestrafen?" (S. 184).

Charles Warren Adams: Das Mysterium von Notting Hill. Kometen der Anderen Bibliothek: Berlin 2014.

22. Oktober 2014

1914 - Mitten in Europa {Mein erster Ausflug im Pott}

Am letzten Samstag war ich das erste Mal in Essen im Museum. Das erzählte ich auch vorher schon stolz, denn endlich ist die Zeit der Ausflüge in den Baumarkt oder zum Möbelschweden und die darauf folgende Umzugsermattung vorbei. Ab jetzt erlebe ich Sachen! Die Ausstellung 1914 - Mitten in Europa interessierte mich schon, seitdem ich Plakate gesehen hatte (und weil ich nächsten Monat endlich, endlich mein Referendariat beginne). Allerdings war ich mir beim Erzählen nicht ganz sicher, wo sie stattfindet, "Ich glaube, Zollverein...?!". Nun, da ich dort war, weiß ich, dass sie in der Mischanlage der Kokerei Zollverein in Essen stattfindet und dass Juli recht hatte, als sie meinte "Wenn du auf Zollverein gehst, dann gehst du nicht einfach nur ins Museum!"

1914 - Mitten in Europa Zeche Zollverein Essen herebybike


Zu meinem Glück fuhren die Bahnen wegen irgend eines anderen tollen Ereignisses irgendwie anders, sodass wir nicht direkt bis zur Kokerei fahren konnten, sondern am anderen Ende des riesigen Geländes ausstiegen. So konnten wir noch ein wenig spazieren und ich weitere Ausflüge hierher planen. Wer schon mal auf Zollverein war, dem erzähle ich nichts Neues, wenn ich sage, dass die ganze Anlage unfassbar beeindruckend ist, alle anderen sollten sich dorthin schleunigst auf den Weg machen, um es selbst zu sehen!
1914 - Mitten in Europa ist noch bis einschließlich den 26. Oktober täglich von 10 bis 18 Uhr zu besichtigen, aber der beeindruckende Rest ist ja immer da!

1914 - Mitten in Europa Zeche Zollverein Essen herebybike

Weil ich am Rest nur vorbeiging, in der Ausstellung aber drei Stunden verbrachte und noch länger hätte bleiben können, wenn ich nicht irgendwann furchtbar hungrig geworden wäre, erzähle ich euch natürlich auch gern, was euch erwartet. (Drinnen waren Fotos nur zum privaten Gebrauch erlaubt, darum müsst ihr selbst reingehen, und euch alles ansehen.)

1914 - Mitten in Europa Zeche Zollverein Essen herebybike

Obwohl der Titel und auch die Plakate von Soldaten mit Gasmasken vermuten lassen, dass es sich nur um den Ersten Weltkrieg dreht, bekommt man in der Ausstellung selbst noch viel mehr gezeigt. Die Zeit des Kaiserreichs und der Jahrhundertwende in der Region zwischen Rhein und Ruhr wird gesellschaftlich, politisch und technisch im ersten Teil der Ausstellung behandelt. Der Werdegang der Firmen Bayer und Krupp, politische Vereine, Freizeitgestaltung, die unterschiedlichen Lebenswelten von Bürger- und Arbeiterfamilien sowie die technischen Errungenschaften wie Aktenordner oder Telefone zeigen einen Überblick über das damalige Leben. Es werden neben offiziellen Dokumenten Drucke von Gemälden, die den damaligen Zeitgeist abbilden, sowie viele Alltagsgegenstände gezeigt, was die Ausstellung wirklich kurzweilig macht. Ich mochte besonders die vielen Figurinen mit Kleidern des ausgehenden 19. Jahrhunderts, auch wenn ich der Reformbewegung dankbar bin, das Korsett abgeschafft zu haben! Natürlich sah ich schon früher solche Kleider, aber seltsamerweise wurde mir erst am Samstag klar, dass ein Taillenumfang von 46 cm wirklich sehr, sehr eng eingeschnürt werden muss. Erst mal tief durchatmen!

1914 - Mitten in Europa Zeche Zollverein Essen herebybike

Eine Etage tiefer widmet sich die Ausstellung dem Ersten Weltkrieg. Während man den ersten Teil (und auch den letzten) bedenkenlos mit Kindern ansehen kann, ist die Atmosphäre hier bedrückender und die Exponate erfordern Erklärungen. Vornehmlich werden Waffen gezeigt, die unter anderem von der Firma Krupp gefertigt wurden, Gasmasken, Gemälde und Zeitungsausschnitte aus den Kriegsjahren, aber auch überlebensgroße Kriegerdenkmäler oder Filmausschnitte von Bombardements. Schonungslos zeigt die Ausstellung anschließend Prothesen, einen Lehrfilm über Kriegsversehrte oder Gipsnachbildungen von schweren Verwundungen.

1914 - Mitten in Europa Zeche Zollverein Essen herebybike

Auf der untersten Ebene werden scherenschnittartig die Jahre der Weimarer Republik bis hin zur Zeit des Nationalsozialismus dargestellt. Dieser Teil war für mich der schwächste der Ausstellung, da er sich nahezu gar nicht der Politik widmete, sondern überspitzt gesagt vom Charleston zu Hitler übergeht. Einige Veränderungen in der Arbeitswelt werden angeschnitten, Kino und Staubsauger als neueste technische Errungenschaften präsentiert, zum Abschluss das obligatorische Braunhemd. Gerade im Vergleich mit den beiden ersten Teilen der Ausstellung fehlte mir hier ein überspannender Bogen, der die einzelnen Exponate verbindet und die Geschichte der Weimarer Republik stärker herausstellt.
Andererseits seid ihr nach den beiden ersten Teilen vermutlich schon so sehr mit Informationen überflutet, dass ein paar glitzernde Charleston-Kleider und der Vampyr-Staubsauger als entspanntes Ende der Ausstellung vielleicht sogar willkommen sind!

1914 - Mitten in Europa Zeche Zollverein Essen herebybike

Trotz des Gefälles zwischen den ersten beiden Teilen und dem dritten Teil ist die Ausstellung wirklich empfehlenswert, vor allem, wenn ihr aus der Region kommt, entdeckt ihr sicher das ein oder andere Exponat aus eurer Heimat. Wenn sie einen Bahnhof hat, schaut doch mal bei den historischen Bahnhofspostkarten im ersten Ausstellungsteil vorbei! Ich empfehle euch auch den Audioguide dazu zu nehmen, denn der Aufbau der Ausstellung hat sich mir nicht erschlossen, da war es sehr hilfreich, dass mir der freundliche Herr in meinem Ohr gesagt hat, wohin ich als nächstes gehen soll. Außerdem werden hier private Aufzeichnungen von Zeitzeugen vorgelesen und die Exponate oft darüber hinausgehend erläutert, was auf den eher knappen Infotafel steht. Die 10,-€ Eintritt/7,-€ ermäßigt/Kinder bis 14 Jahre frei lohnen sich auf jeden Fall. Ich fand zudem sehr schön, dass man über den Audioguide jedes Mal, wenn man einen Ausstellungsraum betritt, eine kleine Einführung in die ursprüngliche Nutzung des Ortes in der Kokerei bekommt - so habt ihr noch ein wenig Industriekultur dabei!

8. Oktober 2014

MEHR September auf instagram + mehr Tipps!

Da sind mir doch tatsächlich ein paar Fotos abhanden gekommen, als ich euch am Montag Einblicke in meinen September zeigte. Das Chaos meines Umzugsmonats hat sich wohl auch in meinem Kopf breit gemacht und bringt mich noch immer ein wenig durcheinander. Allmählich wird's heimisch in der neuen Wohnung, der Muskelkater davon, alles in den 3. Stock zu schleppen, ist verschwunden und die Vorfreude schubst alle gemischten Gefühle im Hinblick auf das unbekannte Neue weg. Also nun noch mehr Spätsommerliebe und ein paar Münstertipps, diesmal etwas ausführlicher für euch!


Reverie-Shop, ein sehr hipper Laden direkt neben meinem allerliebsten Lieblingscafé in Münster, dem Gasolin. Im Reverie-Shop gibt's Lomokameras und -filme, Rucksäcke von Herschel und eher alternative Schuhe, Klamotten & Accessoires für Frauen und Männer. | Der Mühlenhof, Münsters Freilichtmuseum. Rund um eine alte Mühle sind Gebäude aus dem 15. bis 19. Jahrhundert zu besichtigen: Bauernhäuser, verschiedene Werkstätten oder ein Schulhaus. Alles mit Inventar und sehr liebevoll ausgestellt. Als der Freund und ich an einem Sonntag dort waren, konnten wir auch Honig von einem Imker und vor Ort im Backhause gebackenes Bauernbrot kaufen.


Nordcup: Leckere Cupcakes in der Innenstadt, mein Schoko-Himbeer-Cupcake war sogar vegan. Außerdem gibt's guten Kaffee und ein bisschen Ruhe vom Trubel. | Haarschnitt von den Jungen Köpfen, zwei mal in Münster und die Salons haben sogar eine eigene Serie aus Haarpflegeprodukten (ich nehme mir das nächste Mal die Lockencreme mit).


selbstgekochte Reispfanne mit Paprika und Hackfleisch, obendrauf ist ein Gurken-Frühlingszwiebel-Koriander-Salat (Rezept aus dem aktuellen Deli-Magazin)| wieder Mühlenhof

Allwetterzoo | Mittagstisch im Royals & Rice: Mittags bestellt man an der Theke und wird mit einem (selbstgewählten, lustigen) Namen ausgerufen, dafür ist es günstiger als abends, wenn man am Tisch bedient wird. Hier könnt ihr vietnamesisch Essen (auch vegan) und vietnamesischen Kaffee trinken, es gibt aber auch selbstgemachte kalte Getränke. Außerdem ist es sehr gemütlich dort!

vollkommen selbstgemachte Pizza, auch aus dem aktuellen Deli-Magazin: statt Tomatensoße kommt Olivenöl drauf, dazu Feigen & Ziegenkäse, das Herbstduo schlechthin, Honig und Pinienkerne. Sehr lecker! | zwischen Sommer und Herbst

schwarze Pflanzen im Garten meiner Eltern | Eine absolute Empfehlung: Das Teilchen & Beschleuniger. Geht alle dorthin! Viele leckere Bagelkreationen, köstlicher Kaffee, Tee, Limos, gemütliche Omas-Wohnzimmer-Atmosphäre und das alles nicht nur zum Frühstück, sondern immer, wenn man Hunger bekommt. Abends spielen hier Bands, es gab schon Tagebuchlesungen und die Besitzer denken sich ständig neue tolle Sachen aus.

10. September 2014

Sommer, Sonne, Sonnenschein oder wie der Sommer wirklich war {Lomography}

Wie der Sommer 2014 für mich wirklich war, haut fototechnisch sicher niemanden aus den Latschen. Schreibtisch, Schreibtisch, Schreibtisch und ich hatte immer im Kopf "Das ist nicht der letzte Sommertag, mach das alles schnell fertig und dann hast du massig Zeit zum Draußensein!". Ich glaube, das dachte ich auch am allerletzten Sommertag und dann war auf einmal Herbst, ohne dass ich ein einziges Mal Baden war. Immerhin hatte ich im Mai schon Sonnenbrand und außerdem aß ich ganz viel Eis. Und jaa, manchmal war ich auch draußen spazieren oder las am Aasee ein Buch, also alles nur halb so wild. Die Fotos, die ich euch heute im Rahmen von Fees Lomo-Challenge zeige, zeigen also einen der Tage, an denen ich bewusst ein wenig Sonne und das Flair von Münster einfangen wollte, am letzten Freitag im August und schon in Pulli. Aber ein wenig typisch sind sie eben schon. Und zwar für meinen letzten Sommer in Münster.

Eiskaffee - Lomochallenge 2014


Direkt das erste Bild zeigt, was für meine Freunde und mich in den letzten Jahren der Sommerindikator schlechthin war: Wenn es in unserem Lieblingscafé Eiskaffee gibt, dann ist der Sommer in Münster angekommen.

Prinzipalmarkt Münster - Lomochallenge 2014


Die anderen Fotos habe ich auf dem Prinzipalmarkt und am Domplatz direkt daneben aufgenommen und gerade weil sie das zeigen, was ich fünf Jahre lang oft nur im Vorbeiradeln wahrnahm, sind sie besonders, denn so sieht es hier wirklich aus. Die Bilder könnten auch dreißig Jahre alt sein und es wäre wunderbar, wenn es hier in weiteren dreißig Jahren noch immer so schön ist!

Stuhlmacher Münster - Lomochallenge 2014

Giebelhaus Münster- Lomochallenge 2014


Prinzipalmarkt Münster - Lomochallenge 2014

Domplatz Münster - Lomochallenge 2014

Paulusdom Münster - Lomochallenge 2014