1. November 2014

Im November wird alles besser {#novemberglueck}

Der goldene Oktober, der uns so sehr verwöhnte, ist vorbei und der Monat, den ich am zweitwenigsten mag, ist da: November. Dass wir keine besten Freunde sind, habe ich euch im letzten Jahr schon verraten. Ich vermutete allerdings auch vorsichtig, dass ich mich vielleicht ein wenig in ihm getäuscht haben könnte. Aber ehrlich, der erste Eindruck zählt und wenn man immer miesepetrig ist, ekelhaft kalte Stürme bringt, es nicht verträumt schneien, sondern nur regnen lässt, man beim Tageslicht ein Sparfuchs ist und zum Trost nicht einmal heimelige Adventsstimmung anbietet, dann kommt man einfach blöd rüber!

#novemberglueck instagram-Aktion mit katastrophal und herebybike


Aber es könnte ja auch einfach sein, dass der November der introvertierte unter den Monaten ist: usselige Schale, aber herzerwärmender Kern. Und um dem November die Chance zu geben, sich von seiner besten Seite zu zeigen, hat Katha vom großartigen Blog kathastrophal mich gefragt, ob wir nicht gemeinsam eine Instagram-Aktion starten wollen. Unter dem Hashtag #novemberglueck posten wir all das, was uns den November versüßt und die immer kürzer werdenden Tage erhellt. Wenn ihr auch eine Dosis #novemberglueck braucht, folgt uns gern auf unseren Instagram-Accounts, ihr findet uns unter @katha_strophal und @herebybike. Auch auf unseren Blogs wollen wir euch das ein oder andere kleine Glücksrezept verraten. Da man allerdings niemanden zu seinem Glück zwingen kann, gibt es keine festen Glückstermine - schaut einfach ab und zu vorbei!
Soweit die Idee. Da Katha und ich aber (noch) keine echten Novemberfreundinnen sind, würden wir uns riesig freuen, wenn ihr euch unserer #novemberglueck-Selbsthilfegruppe anschließt und ebenfalls die schönen Seiten des Novembers auf Instagram festhaltet und mit dem Hashtag #novemberglueck verseht. Die schönsten Bilder möchten wir gern auf unseren Blogs teilen, selbstverständlich mit einem Link zu eurem Instagram-Profil oder Blog. Denn natürlich freuen wir uns auch sehr, wenn ihr eure #novemberglueck-Ideen auf euren Blogs veröffentlicht und uns den Link zu eurem Post in den Kommentaren verlinkt. Was sagt ihr, seid ihr dabei? Ich für meinen Teil freue mich gerade richtig, dass der November endlich begonnen hat und bin schon ganz gespannt, was er Schönes für euch und mich bereithält - und besonders freue ich mich darauf zu sehen, was euch eine große Portion #novemberglueck beschert!


#novemberglueck instagram-Aktion mit katastrophal und herebybike

Die beiden Bilder in diesem Post sind Kathas digitaler Feder entsprungen.


31. Oktober 2014

Oktober auf Instagram


Wahnsinn, mit was für einem schönen Sonnenuntergang sich der Oktober heute Abend von uns verabschiedet hat! Diesen Monat war ich viel unterwegs, habe den goldenen Herbst und das schön warme Wetter genossen, ging aber auch schon in Winterjacke raus - und freute mich, dass sie mich wärmend durch den Tag trug.



ein schöner Tag in Köln | die Bocholter Herbstkirmes - da bin ich so gern! Traditionell führt man hier das erste Mal die Winterjacke aus, aber dieses Jahr war eher etwas Sommerliches angesagt.



mit dem Hund im Wald | Traumhaus



Bonn & Burger bei Godesburger


wunderbares Wohnzimmerkonzert mit Domingo und Ben Hermanski | Kirmesmitbringsel



#halloherbst14



Essen, da bin ich jetzt öfter!

29. Oktober 2014

Das Mysterium von Notting Hill {booklove}

Das schönste Buch der Welt hat Konkurrenz bekommen! Ja, ich kaufe Bücher noch immer gern nach dem ersten Eindruck und ehrlich gesagt will ich damit auch nicht aufhören, selbst wenn der Freund das total verrückt findet. Aber erstens haben sie bisher immer gehalten, was der Einband versprach und zweitens machen mich hübsche Bücher im Regal viel glücklicher als farbliche Unfälle, die die Harmonie im Schlafzimmer stören. Die nehme ich natürlich auch hin, wenn das Buch wirklich, wirklich toll ist, aber lieber außen wie innen schön.

Charles Warren Adams Das Mysterium von Notting Hill booklove herebybike


Das vorab. Im Sommer, schon während meiner Masterarbeitszeit, fand ich dieses wunderbare Buch. Die Farben! Der Schnitt! Das Vorsatzpapier! Das Lochmuster! Hach, nur leider mit 20 Euro ein wenig teuer für ein Taschenbuch. Ich schlich also noch ein paar Wochen, immer, wenn ich ein Buch ausgelesen hatte, wieder um Das Mysterium von Notting Hill herum und gab irgendwann nach.

Erstmals anonym 1862 erschienen ist die Sprache allerdings nichts, das ich mir nach anstrengenden Tagen noch zumuten konnte. Man merkt dem Roman an, dass er einer anderen Zeit entstammt - irgendwo las ich sogar, er gelte als der erste Kriminalroman überhaupt. Ich präsentiere euch heute also eine etwas anspruchsvollere Lektüre und das schicke ich nun nicht vorweg, um zu zeigen, dass ich nicht nur unfassbar schicke, sondern auch noch wahnsinnig kluge Bücher lese, sondern damit ihr nicht enttäuscht seid, wenn ihr gerade Entspannungsliteratur braucht und euch bei langen Sätzen und komplizierten Windungen die Konzentration und der Spaß abhanden kommen.

Charles Warren Adams Das Mysterium von Notting Hill booklove herebybike

Seid nicht abgeschreckt, das Buch lässt sich dennoch prima abends im Bett lesen und wird euch sicherlich ein paar spannende Stunden bescheren, während draußen die Herbststürme toben.
Der Fall, den der Privatdetektiv Mr. Henderson lösen soll, ist der folgende: Madame R** hat sich mit einem Becher Säure tödlich vergiftet, den sie beim Schlafwandeln zu sich nahm. Aufgrund von fünf Lebensversicherungen, alle bei verschiedenen Gesellschaften abgeschlossen, steht ihr Mann, Baron R** unter Mordverdacht. Der Ermittlungen von Mr. Henderson sind abgeschlossen und es wird nun die Akte mit sämtlichen Zeugenaussagen, Briefen, Zeitungsausschnitten, Arztberichten, Notizen und allen relevanten Dokumenten, kommentiert durch den Detektiv, vorgelegt. Dabei kommen sämtliche Gesellschaftsschichten des viktorianischen Zeitalters zu Wort. Anfangs etwas verwirrend, wird es immer spannender, tief in die Verflechtungen um den Chemiker und Mesmeristen Baron R** (er heilt mithilfe von Magnetismus) einzutauchen. Eine weitere junge Dame zeigt die gleichen Krankheitssymptome wie Madame R**, ihr Mann stirbt ebenfalls, zwei Kinder werden von Zigeunern entführt.

Charles Warren Adams Das Mysterium von Notting Hill booklove herebybike


Die Darbietungsform ist unfassbar modern. Der Roman folgt nicht dem Detektiv bei seinen Ermittlungen, er setzt erst ein, wenn dessen Arbeit schon getan ist. Dadurch gewinnt er an Spannung, die nicht atemlos macht wie wilde Verfolgungsjagden, sondern mich am Buch kleben lies, weil das Material, das zunächst unverbunden nebeneinander steht, mit zunehmendem Lesen mehr und mehr Sinn ergibt und sich zu einem Ganzen fügt. Es gibt keine Vor- oder Rückgriffe, alles ist nüchtern und linear präsentiert, lediglich manchmal erinnert der Kommentar an zuvor gelesene Dokumente. Gerade diese fehlende  erzeugte Spannung brachte meine Fantasie allerdings dazu, mir selbst besonders viel auszumalen und weiterzudenken. Wie der Titel verheißt, wird der Fall auch immer mysteriöser. Am Ende steht nicht die Lösung des Falls, der Detektiv traut seinen Auftraggebern ebenso gut wie sich selbst die Fähigkeit zu, das Material zu bewerten und die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen. Der Roman endet mit einer Frage (die ihr nicht lesen müsst, wenn ihr den letzten Satz erst am Ende lesen möchtet):
"Lassen sich derart verübte Verbrechen überhaupt beweisen, und selbst wenn es möglich ist, den Nachweis zu führen, kann man den Verbrecher für diese Art von Verbrechen bestrafen?" (S. 184).

Charles Warren Adams: Das Mysterium von Notting Hill. Kometen der Anderen Bibliothek: Berlin 2014.

22. Oktober 2014

1914 - Mitten in Europa {Mein erster Ausflug im Pott}

Am letzten Samstag war ich das erste Mal in Essen im Museum. Das erzählte ich auch vorher schon stolz, denn endlich ist die Zeit der Ausflüge in den Baumarkt oder zum Möbelschweden und die darauf folgende Umzugsermattung vorbei. Ab jetzt erlebe ich Sachen! Die Ausstellung 1914 - Mitten in Europa interessierte mich schon, seitdem ich Plakate gesehen hatte (und weil ich nächsten Monat endlich, endlich mein Referendariat beginne). Allerdings war ich mir beim Erzählen nicht ganz sicher, wo sie stattfindet, "Ich glaube, Zollverein...?!". Nun, da ich dort war, weiß ich, dass sie in der Mischanlage der Kokerei Zollverein in Essen stattfindet und dass Juli recht hatte, als sie meinte "Wenn du auf Zollverein gehst, dann gehst du nicht einfach nur ins Museum!"

1914 - Mitten in Europa Zeche Zollverein Essen herebybike


Zu meinem Glück fuhren die Bahnen wegen irgendeines anderen tollen Ereignisses irgendwie anders, sodass wir nicht direkt bis zur Kokerei fahren konnten, sondern am anderen Ende des riesigen Geländes ausstiegen. So konnten wir noch ein wenig spazieren und ich weitere Ausflüge hierher planen. Wer schon mal auf Zollverein war, dem erzähle ich nichts Neues, wenn ich sage, dass die ganze Anlage unfassbar beeindruckend ist, alle anderen sollten sich dorthin schleunigst auf den Weg machen, um es selbst zu sehen!
1914 - Mitten in Europa ist noch bis einschließlich den 26. Oktober täglich von 10 bis 18 Uhr zu besichtigen, aber der beeindruckende Rest ist ja immer da!

1914 - Mitten in Europa Zeche Zollverein Essen herebybike

Weil ich am Rest nur vorbeiging, in der Ausstellung aber drei Stunden verbrachte und noch länger hätte bleiben können, wenn ich nicht irgendwann furchtbar hungrig geworden wäre, erzähle ich euch natürlich auch gern, was euch erwartet. (Drinnen waren Fotos nur zum privaten Gebrauch erlaubt, darum müsst ihr selbst reingehen, und euch alles ansehen.)


1914 - Mitten in Europa Zeche Zollverein Essen herebybike

Obwohl der Titel und auch die Plakate von Soldaten mit Gasmasken vermuten lassen, dass es sich nur um den Ersten Weltkrieg dreht, bekommt man in der Ausstellung selbst noch viel mehr gezeigt. Die Zeit des Kaiserreichs und der Jahrhundertwende in der Region zwischen Rhein und Ruhr wird gesellschaftlich, politisch und technisch im ersten Teil der Ausstellung behandelt. Der Werdegang der Firmen Bayer und Krupp, politische Vereine, Freizeitgestaltung, die unterschiedlichen Lebenswelten von Bürger- und Arbeiterfamilien sowie die technischen Errungenschaften wie Aktenordner oder Telefone zeigen einen Überblick über das damalige Leben. Es werden neben offiziellen Dokumenten Drucke von Gemälden, die den damaligen Zeitgeist abbilden, sowie viele Alltagsgegenstände gezeigt, was die Ausstellung wirklich kurzweilig macht. Ich mochte besonders die vielen Figurinen mit Kleidern des ausgehenden 19. Jahrhunderts, auch wenn ich der Reformbewegung dankbar bin, das Korsett abgeschafft zu haben! Natürlich sah ich schon früher solche Kleider, aber seltsamerweise wurde mir erst am Samstag klar, dass ein Taillenumfang von 46 cm wirklich sehr, sehr eng eingeschnürt werden muss. Erst mal tief durchatmen!


1914 - Mitten in Europa Zeche Zollverein Essen herebybike

Eine Etage tiefer widmet sich die Ausstellung dem Ersten Weltkrieg. Während man den ersten Teil (und auch den letzten) bedenkenlos mit Kindern ansehen kann, ist die Atmosphäre hier bedrückender und die Exponate erfordern Erklärungen. Vornehmlich werden Waffen gezeigt, die unter anderem von der Firma Krupp gefertigt wurden, Gasmasken, Gemälde und Zeitungsausschnitte aus den Kriegsjahren, aber auch überlebensgroße Kriegerdenkmäler oder Filmausschnitte von Bombardements. Schonungslos zeigt die Ausstellung anschließend Prothesen, einen Lehrfilm über Kriegsversehrte oder Gipsnachbildungen von schweren Verwundungen.


1914 - Mitten in Europa Zeche Zollverein Essen herebybike

Auf der untersten Ebene werden scherenschnittartig die Jahre der Weimarer Republik bis hin zur Zeit des Nationalsozialismus dargestellt. Dieser Teil war für mich der schwächste der Ausstellung, da er sich nahezu gar nicht der Politik widmete, sondern überspitzt gesagt vom Charleston zu Hitler übergeht. Einige Veränderungen in der Arbeitswelt werden angeschnitten, Kino und Staubsauger als neueste technische Errungenschaften präsentiert, zum Abschluss das obligatorische Braunhemd. Gerade im Vergleich mit den beiden ersten Teilen der Ausstellung fehlte mir hier ein überspannender Bogen, der die einzelnen Exponate verbindet und die Geschichte der Weimarer Republik stärker herausstellt.
Andererseits seid ihr nach den beiden ersten Teilen vermutlich schon so sehr mit Informationen überflutet, dass ein paar glitzernde Charleston-Kleider und der Vampyr-Staubsauger als entspanntes Ende der Ausstellung vielleicht sogar willkommen sind!


1914 - Mitten in Europa Zeche Zollverein Essen herebybike

Trotz des Gefälles zwischen den ersten beiden Teilen und dem dritten Teil ist die Ausstellung wirklich empfehlenswert, vor allem, wenn ihr aus der Region kommt, entdeckt ihr sicher das ein oder andere Exponat aus eurer Heimat. Wenn sie einen Bahnhof hat, schaut doch mal bei den historischen Bahnhofspostkarten im ersten Ausstellungsteil vorbei! Ich empfehle euch auch den Audioguide dazu zu nehmen, denn der Aufbau der Ausstellung hat sich mir nicht erschlossen, da war es sehr hilfreich, dass mir der freundliche Herr in meinem Ohr gesagt hat, wohin ich als nächstes gehen soll. Außerdem werden hier private Aufzeichnungen von Zeitzeugen vorgelesen und die Exponate oft darüber hinausgehend erläutert, was auf den eher knappen Infotafel steht. Die 10,-€ Eintritt/7,-€ ermäßigt/Kinder bis 14 Jahre frei lohnen sich auf jeden Fall. Ich fand zudem sehr schön, dass man über den Audioguide jedes Mal, wenn man einen Ausstellungsraum betritt, eine kleine Einführung in die ursprüngliche Nutzung des Ortes in der Kokerei bekommt - so habt ihr noch ein wenig Industriekultur dabei!