15. Oktober 2015

Die Arglosen, Francesca Segal {Booklove}

Jedes Mal, wenn ich einen booklove-Post verfasse, habe ich das Gefühl, ein ganz besonderes Buch vorzustellen. Nur die wahren Kleinodien meines Bücherregals schaffen es, hier Erwähnung zu finden. Aber dieses Mal, da ist alles noch besonderer. Das Buch, das ich euch heute vorstelle, ist wie mein heimlicher Schwarm, dem ich einmal kurz begegnete und dann für lange Zeit aus den Augen verlor, bis er mich irgendwann fast wie von selbst wiederfand.
Dass ich Die Arglosen in Münster in einer Buchhandlung entdeckte, ist schon über zwei Jahre her. Es muss kurz nach der Erstveröffentlichung gewesen sein, dass ich das Buch ob seines Covers in die Hand nahm und mir scheint, als habe ich ein Faible für weiße oder blaue Bücher... Zu der Zeit wartete allerdings gerade besonders viel Ungelesenes bei mir darauf, endlich Beachtung zu finden und ich stellte den Kauf des Buches zurück.
Als ich endlich wieder auf der Suche nach neuem Lesestoff war, fiel es mir wieder ein. Das Buch mit dem schönen türkisen Einband, darauf das Pärchen im Stil der 60er Jahre gekleidet, die Geschichte vom Klappentext, laut dem hier die Liebesgeschichte eines jüdischen Pärchens kurz vor der Hochzeit noch auf die Probe gestellt werden sollte. Aber ich fand es nicht wieder. Jedes Mal, wenn ich in irgendeiner Buchhandlung war, suchte ich danach. Ging die Regale ab, nur auf der Suche nach dieser Farbe oder dem Pärchen. Aber nichts. Aufgrund meiner vagen Beschreibung traute ich mich auch nicht einen Buchhändler zu fragen. Bis zum letzten Spätsommer, als die Obsession dieses Buch zu finden mich stärker und stärker umtrieb. Doch trotz ausführlichster Recherche im Internet und im Gedächtnis der Buchhändlerin war nichts zu machen.
Ich hatte das Buch nicht aufgegeben, aber war ratlos. Und dann saß ich in den Sommerferien in der Straßenbahn auf dem Weg nach Bonn mit meinem neuen Buch, Der Trafikant, in der Hand, war ganz begeistert wegen des niedlichen Verlagslogos und wollte wissen, was Kein & Aber noch herausgibt, scrollte mit langsamsten Edge-Internet durch die Veröffentlichungen - und da war es! Die Arglosen! Alles hatte ich richtig im Kopf gehabt, nur fand die Handlung in meinem Gedächtnis in New York statt in London statt und ich könnt euch nicht vorstellen, wie wahnsinnig ich mich gefreut habe!
Und dann, zwei Jahre nachdem ich mich verguckt hatte, hielt ich das Buch endlich in Händen als Geburtstagsgeschenk zum 26.
Ein bisschen bang war ich, ob sich das lange Suchen und Warten nun auszahlen oder ich enttäuscht würde (und ihr seid nach dieser ausschweifenden Vorrede meiner Odyssee sicher auch gespannt, ob sich das Buch lohnt) – aber ich kann euch sagen, dass ich noch immer unglaublich glücklich bin, diesen Bücherschatz wiedergefunden zu haben.

Die Arglosen Herebybike booklove Rezension


Der Klappentext verheißt schon, dass die perfekte Beziehung von Adam und Rachel, die seit zwölf Jahren, seitdem sie 16 sind, auf die Probe gestellt wird, als Rachel Cousine Ellie aus den USA plötzlich in London auftaucht. Darum entwickelt das Buch anfangs auch nicht so viel Sog, denn natürlich passiert etwas zwischen Adam und Ellie. Ellie ist eben ganz anders als ihre Cousine Rachel: Model, promiskuitiv, hat immer ein paar Joints dabei, lebt gefährlich nah am Abgrund… Demgegenüber Rachel die kleine, kurvige Lehrerin, die schon genaueste Pläne für ihr weiteres Leben hat. Auch Adams Leben ist vorgeplant und nahezu untrennbar mit ihrem verwoben: Durch die gemeinsamen Freunde, das Gemeindeleben in der Synagoge und das enge Band zwischen ihren beiden Familien kann er fast nicht anders, als diesen Weg weiter zu gehen, zumal er in der Kanzlei von seinem Schwiegervater in spe arbeitet und er schon jetzt wie ein Sohn von ihm betrachtet wird. Tatsächlich passiert noch einiges mehr, wovon ich jetzt gar nicht berichten mag, den das Buch wurde für mich immer spannender. Ich las tatsächlich die letzten 100 Seiten in einer Nacht durch und konnte danach vor lauter Gefühlen erst recht nicht einschlafen. Die Handlung und die lebendigen Figuren sind so spannend und mitreißend, sie regen zum Mitfühlen und zum Nachdenken über das eigene Leben an. Manchmal muss man die Dinge neu bewerten und vorgezeichnete Wege infrage stellen, manchmal bekommt man Angst, dass man alles falsch gemacht hat. Oder das etwas kaputt geht. Noch nie darüber nachgedacht, was wäre, wenn die Beziehung jetzt kaputtginge? Könnte man alle Pläne umschmeißen? Oder will man gerade das? In mir schlummert eine kleine Rachel, ich plane, das beruhigt. Aber ich musste durch Die Arglosen feststellen, dass so eine planungsbesessene Sicherheitstussi nervig sein kann, denn das Buch ist aus der Innensicht von Adam erzählt. Und ich wollte mich wirklich nicht gegen Rachel stellen, weil sie objektiv beschrieben so sympathisch wirkte, aber beileibe nicht immer war. Das klingt nach schwerem Stoff, wenn man das Buch dazu werden lässt, aber neue Denkanstöße sind nie verkehrt und darüber hinaus ist die Sprache sehr gut zu lesen, ohne platt und uninspiriert zu sein. Zudem sind die mitunter sehr festen Strukturen und Stereotypen in der Gemeinde von Adam und Rachel teilweise wirklich witzig und manchmal sogar ein bisschen liebenswert schrullig. Am Ende kommt noch ein (kleiner?) Knall und als das Buch zu Ende war, hatte ich doch jede Figur für sich ins Herz geschlossen.

Die Arglosen Herebybike booklove Rezension

Als ich das Buch ausgelesen hatte und ins Regal stellte, traf mich übrigens fast der Schlag, denn der Buchrücken ist anders als die Vorder- und Rückseite rotorange – ich hätte es im Regal stehend niemals herausgezogen...

Francesca Segal: Die Arglosen. Zürich/Berlin: Kein & Aber 2013.

25. September 2015

Erinnerungen an den Sommer {Lomography}


Na, seid ihr auch so gefangen zwischen den Jahreszeiten? Diese Momente, in denen man den Sommer noch nicht gehen lassen will, die ersten grauen Herbsttage mit zu viel Regen und zu wenig Tageslicht verdammt und dabei gleichzeitig die Sehnsucht nach dem richtigen Herbst, in dem es nicht noch zu warm für Kuschelstrick, den Lieblingsschal und eine große Tasse dampfendem Tee ist...



Heute Abend wollte ich eigentlich meinen Kleiderschrank aufräumen und die Sommersachen einmotten bis zum nächsten Jahr – dann fiel mir auf, dass ich viel zu früh dran bin und irgendwann sicher bereuen werde, dass ich nicht die letzten richtig warmen Sonnenstrahlen angemessen eingefangen habe, sondern stattdessen viel zu dick angezogen vor mich hin schwitzte. Was soll ich sagen, ich plane noch immer lieber vor, als einfach abzuwarten und dem Jetzt all meine Aufmerksamkeit zu schenken. Darum wage ich heute den Blick zurück ins letzte Jahr, als ich dem Botanischen Garten in Münster einen Besuch abstattete. Wenn man die Vorausschau und die Rückschau addiert, kommt ja ein Jetzt dabei heraus, oder?


 



1. September 2015

26 before 27

Ihr Lieben,
da bin ich wieder – und ihr lest hier, also seid ihr noch da und das freut mich sehr! Neubeginn, neuer Monat, neue Jahreszeit: vor den Fenstern meines Arbeitszimmers prasselt der Regen und eine Spinne webt ihr Netz, das ist fast schon halloweenesk – dabei waren es doch gestern noch 33 Grad!
Mein Geburtstag war zwar schon Ende Juli, aber ein paar Pläne kann ich auch für die verbliebenen elf Monate meines neuen Lebensjahres noch machen. Keine beruflichen, die habe ich eh, aber ein paar, die mir in meiner Freizeit Spaß machen und mich neue Dinge ausprobieren lassen sollen. Und dazu Schnappschüsse aus meinem Sommer 2015.


1. Ein Kleid selbst nähen. Seitdem ich im Buchladen dieses Buch entdeckte, spukt die Idee in meinem Kopf herum. Dass ich noch nie eine Nähmaschine bedient habe, hält mich nicht ab! Heute kaufte ich es!
2. Etwas mit Tafelfarbe. Die steht hier nämlich schon ewig rum - ich habe sogar magnetische!!
3. Mindestens ein Teil stricken.



4. Meine beiden offenen E-courses durcharbeiten. Gelesen sind sie mehrfach, aber die "Hausaufgaben" ließ ich schleifen.
5. Weiter an meinen Fotoalben arbeiten.
6. Unser Arbeitszimmer verschönern.



7. Richtig schön picknicken.
8. Eine Fahrradtour unternehmen.
9. Öfter spazieren gehen.



10. Wieder schicker werden (auch wenn es morgens früh ist und eine Jeans und ein Pulli so herrlich schnell gehen).
11. Weiterhin regelmäßig zum Sport gehen. In den Sommerferien bin ich endlich wieder richtig angefangen und finde das gut.
12. Einen guten Haarschnitt bekommen. So richtig zufrieden war ich auf lange Sicht... noch nie?! Ich gehe dann ewig nicht zum Frisör, weil ich glaube, dass es eh keiner kann, aber das ist ganz bestimmt Quatsch!



13. Wieder mehr mit der Hand schreiben. Das habe ich ohne all die Uni-Mitschriften nämlich vermisst.
14. Eine Mottoparty veranstalten. Ich habe da auch schon eine Idee und hoffe sehr, dass es klappt!
15. Irgendwo Urlaub machen, wo ich noch nie war.



16. Lieblingsrezepte griffbereit organisieren. Mittlerweile finde ich nicht mehr alles im richtigen Kochbuch wieder und weiß manchmal gar nicht, was ich kochen soll.
17. Wieder mehr richtig leckere Sachen selbst kochen. Und nicht immer nur die fünf Gerichte, die besonders schnell gehen.
18. Die Kräuter in der Küche ernster nehmen. Denn so schön grün und lebendig wie unten sehen sie gerade leider nicht aus...


19. Weiterhin viele tolle Bücher entdecken und lesen.
20. ... aber auch den Stapel der ungelesenen Bücher angehen.
21. Mindestens einmal pro Monat einen Ausflug machen.


22. Geburtstagskarten verschicken.
23. Und Weihnachtskarten. Denn ich freue mich selbst so sehr über Karten.
24. Einen Monat lang Meditieren ausprobieren.



25. Früher zu Bett gehen. Wie langweilig ist das denn? Aber ich habe endlich gelernt, dass es ganz toll ist, ausgeschlafen zu sein.
26. Mich auch mal dafür entscheiden nichts zu tun – und dann kein schlechtes Gewissen haben!

Ich freue mich auf all das, aber wenn etwas noch Besseres passiert, bin ich nicht böse, wenn ich nicht alles bis nächstes Jahr abgearbeitet habe.
Warum ich keine Blog-Pläne dazugeschrieben habe? Ich will lieber langsam wieder anfangen und mich nicht von groß angekündigten Plänen verrückt machen lassen – im Kopf habe ich aber einiges, das ich euch zeigen will, keine Sorge!

4. Dezember 2014

November auf instagram

Den November haben wir geschafft - und wie! Ich bin so begeistert davon, wie viele tolle Bilder bei Kathas und meiner #Novemberglueck-Aktion zustande gekommen sind und wie viele von euch ihre schönsten Momente mit uns geteilt haben, dass ich mich noch immer durch all die tollen Bilder suche, um mein persönliches Best of zusammenzustellen, das ich euch am Wochenende zeigen möchte.
Es war außerdem großartig zu sehen, wie viel Spaß mir der November gemacht hat, nur weil ich ihm dieses Jahr nicht die Chance geben wollte, grau und gemein zu sein. Leider konnte ich euch nicht noch zusätzlich mit schönen Blogposts versorgen, denn ich warte noch immer auf meinen Telefon- und Internetanschluss. Vielleicht bekomme ich ihn ja noch dieses Jahr, das wäre wunderbar!



neues Kalenderblatt | neuer Lieblingsschal

Kaffeeklatsch | Sonnenuntergang

Es wird früher dunkel. | Pasta mit Kürbis

Stutenkerl zu St. Martin | Schwein in Kettwig

Einweihungsparty, auf die Gäste wartend | Kuchen essen im Kaffee

Fees Buch ist erschienen & ich habe es gewonnen | & ich habe mit ihr in Dortmund diese wunderbaren Vasen und Christsterne aus Filz gebastelt

Wenn's gut läuft, vereint der November Vorweihnachtliches wie Lebkuchenlatte und Herbstliches wie das güldene Blätterbett. Beides an einem Tag!

Den Essener Weihnachtsmarkt habe ich vor lauter Vorfreude direkt am ersten Tag getestet und für schön befunden.

Mein Überraschungspralinenadventskalender | 1. Advent